Ein Buch für die nächsten 50 Jahre?
Zum 50-jährigen Bestehen der IGKB ist ein neues Fachbuch erschienen: "Der Bodensee - Ein Naturraum im Wandel". Es gilt als das neue Standardwerk zum See.


Ministerialdirektor Bernhard Bauer stellt das neue Fachbuch über den Bodensee vor. Foto: Kühne

Es war im Jahr 1955, als Friedrich Kiefer im Vorwort zu seinem Buch "Naturkunde des Bodensees" seinen Lesern folgende Worte mit auf den Weg gab: "Das Buch wendet sich in erster Linie an die Naturfreunde in allen Schichten der Bevölkerung. Aber auch der Fachmann auf seenkundlichem und wasserwirtschaftlichem Gebiet kann noch manche spezielle Angaben finden, die für ihn neu und von Interesse sind." Dieser Leitgedanke stand auch für das neue Buch "Der Bodensee - Ein Naturraum im Wandel" Pate: Es will unterhaltsam und verständlich die unterschiedlichen Aspekte des Lebens am und im Bodensee vorstellen.

Bereits 1955 hatte Friedrich Kiefer das drohende Problem der Eutrophierung, der übermäßigen Anreicherung von Nährstoffen, anschaulich beschrieben: "Man muss den See als einen Kosmos im Kleinen oder - in einem anderen Bild - als einen Organismus höherer Ordnung auffassen, der unter natürlichen Verhältnissen "gesund" ist, durch Eingriffe in sein harmonisches Gefüge jedoch "krank" werden kann." Wie wir heute wissen, ist der See - um im Bild zu bleiben - tatsächlich krank geworden. Er wäre noch weit kränker geworden, wenn nicht verantwortungsbewusste Seenkundler wie Friedrich Kiefer Alarm geschlagen hätten und wenn nicht umfangreiche Maßnahmen eingeleitet worden wären, um der "Eutrophierungskrankheit" Herr zu werden.

Wie diese Entwicklung der letzten 50 Jahre verlaufen ist, das wird in dem neuen Standardwerk zum Bodensee informativ und spannend zu gleich geschildert. Die Autoren Klaus Zintz, Herbert Löffler und Gerd Schröder - allesamt Seenkundler - spannen dabei den Bogen von der Entstehungsgeschichte des Sees über die wasserwirtschaftlichen Gegebenheiten und den Stoffhaushalt sowie das Leben im See bis hin zu Fragen der Nutzung und dem Schutz des Sees. Auch die Forschung am See kommt nicht zu kurz. Und selbstverständlich ist der Zukunft des Sees und insbesondere dem Klimawandel ebenfalls ein Kapitel gewidmet.


Auch Seenforscher genießen bei ihren Arbeit die Schönheit des Bodensees. Foto: Zintz

Bei aller Wissenschaftlichkeit sorgen immer wieder kleine Anekdoten und Erzählungen für Abwechslung, so etwa ein Bericht über den Untergang des Raddampfers "Jura" im Jahre 1864 vor Kreuzlingen oder über das Wasserwunder von Konstanz, als 1549 der Rhein sozusagen seeaufwärts floss - ein Ereignis, das Wissenschaftler heute mit internen Schwingungen im See, den sogenannten Seiches, erklären. Aber auch grundlegende Aspekte werden erörtert, etwa die Frage, wem der Bodensee gehört. Oder wie Ströme von kaltem und dichtem Wasser die Erneuerung des Tiefenwassers und damit den ganzen See beeinflussen.

Der Bodensee und die jahrzehntelangen erfolgreichen Bemühungen der Anrainerstaaten um seinen Schutz kann weltweit als Modell für erfolgreiches Seenmanagement dienen. Um einerseits Expertendelegationen aus an deren Ländern das gesammelte Wissen schwarz auf weiß zu vermitteln und andererseits englischsprachigen Touristen fundierte Informationen über den See nach Hause mitgeben zu können, will der Thorbecke Verlag im kommenden Jahr das Buch in einer englischen Ausgabe herausbringen.

Klaus Zintz, Herbert Löffler und Heinz Gerd Schröder: Der Bodensee - Ein Naturraum im Wandel. 156 Seiten, Thorbecke Verlag, ISBN 978-3-7995- 0838-4 (im Buchhandel erhältlich).